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Warum gibt es Reifen in verschiedenen Größen und Ausführungen?

Autoreifen gibt es bekanntlich in unzähligen Ausführungen und Variationen. Im Folgenden werden wir uns den verschiedenen Reifentypen im Detail widmen und aufzeigen, worin ihre Unterschiede bestehen und worauf man beim Reifenkauf achten sollte.

Winter- und Sommerrreifen für die entsprechende Jahreszeit

winter-581101_1280Zunächst einmal existieren für verschiedene Witterungsbedingungen unterschiedliche Reifenarten: Die Sommer- und die Winterreifen. Daneben gibt es auch noch Allwetterreifen, die in ihren Eigenschaften einen Kompromiss aus den beiden zuvor genannten darstellen.

Warum aber ist diese saisonale Anpassung des Reifentyps eigentlich notwendig? Der Grund liegt in der üblicherweise zwischen Winter- und Sommermonaten bestehenden Differenz der Außentemperaturen. Winterreifen bestehen aus einer weicheren Gummimischung, die es ihnen erlaubt, auch bei starken Minusgraden noch elastisch zu bleiben. Zusätzlich ist das Profil von Winterreifen in der Regel für Fahrten auf Eis und Schnee optimiert.

Sommerreifen würden dagegen bei Temperaturen unter Null aufgrund ihrer härteren Gummisubstanz zunehmend verspröden, außerdem ist ihr Profil für optimale Haftung auf trockenem Fahrbahnbelag ausgelegt. Bei Verwendung von Sommerreifen im Winter sind deshalb schlechtere Bodenhaftung und damit einhergehend schlechtere Fahr- und Bremsleistungen die Folge. Nun wäre es natürlich naheliegend zu schlussfolgern, dass man einfach das ganze Jahr über mit Winterreifen fahren könnte. Dies ist in der Tat durchaus möglich. So werden zum Beispiel in größeren Fuhrparks die Fahrzeuge oft ganzjährig auf Winterreifen bewegt, weil der dauernde Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen zu aufwändig und zu kostspielig wäre. Doch auch wenn das Fahren mit Winterreifen im Sommer längst nicht so abwegig – und gefährlich – ist, wie das Fahren mit Sommerreifen im Winter, so ist es dennoch nicht optimal.

Die ohnehin schon weichere Gummimischung der Winterreifen verliert bei hohen Außentemperaturen weiter an Härte und verursacht dadurch einen rascheren Verschleiß der Reifen. Außerdem „kleben“ die weichen Reifen buchstäblich am Asphalt, der Spritverbrauch steigt. Zudem lassen Hitze und UV-Strahlung Winterreifen schneller altern, sie verlieren ihre für den Einsatz bei Niedrigtemperaturen so wichtigen Weichmacher.

Allwetterreifen – Das Beste aus zwei Welten oder Meister in keinem Fach?

Wer sich den halbjährlichen Reifenwechsel sparen möchte, der kann jedoch auch auf Allwetterreifen zurückgreifen. Sie sind in der Zusammensetzung ihrer Gummimischung zwischen Sommer- und Winterreifen angesiedelt. Wie sehr sie dabei mehr diesen oder jenen gleichen, das ist von Fabrikat zu Fabrikat unterschiedlich. Manche Allwetterreifen kommen bei Niedrigtemperaturen in ihren Eigenschaften echten Winterreifen sehr nahe, andere sind dagegen im Winterbetrieb nur marginal besser als Sommerreifen.

Es lohnt sich daher vor dem Kauf immer, einen Vergleichstest verschiedener Produkte zu Rate zu ziehen, wie er regelmäßig von der Stiftung Warentest, vom ADAC, von diversen Autozeitschriften oder im Internet veröffentlicht wird.

Prinzipiell eignen sich Allwetterreifen vor allem für Autofahrer, die in Gegenden leben, in denen die witterungsbedingten Unterschiede zwischen den Jahreszeiten nicht so stark ausfallen und in denen milde Winter und regnerische Sommer dominieren, zum Beispiel in Küstenregionen. Aber auch in Gegenden mit strengeren Wintern empfehlen sich Allwetterreifen für Leute, die ihr Fahrzeug vorzugsweise bei gutem Wetter bewegen und bei heftigen Wintereinbrüchen das Fahrzeug zur Not stehen lassen können. Prädestiniert ist der Allwetterreifen darüber hinaus für Fahrer, die ihre Reifen entweder nicht saisonal wechseln wollen oder können, die keinen Unterbringungsraum für einen zusätzlichen Reifensatz besitzen oder die sich einfach die Ausgaben für zwei Reifensätze sparen möchten.

Beliebte Allwetterreifen unserer Leser

Überhaupt nicht eignen sich Allwetterreifen dagegen für Regionen mit starken Witterungsunterschieden zwischen den Jahreszeiten, wie beispielsweise Gebirgsregionen, in denen Glatteis und dicke Schneedecken im Winter, brütende Hitze und starke UV-Strahlung im Sommer charakteristisch sind.

Einen echten Winterreifen garantiert im Übrigen das Schneeflockensymbol auf der Reifenflanke. Die Kennzeichnung M+S (Matsch und Schnee) findet sich dagegen auch auf Allwetterreifen. Sie genügt aber bereits, um im Winterbetrieb rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.

Die großen Hersteller Goodyear, Michelin, Falken oder Vredestein haben alle auch Allwetterreifen im Angebot

Weitere Reifeneigenschaften

Neben der Entscheidung für Sommer-, Winter- oder Allwetterreifen gilt es bei der Reifenwahl noch eine Reihe anderer Parameter zu berücksichtigen. Die wichtigsten sind:

  1. Breite
  2. Flankenhöhe
  3. Felgendurchmesser
  4. Geschwindigkeitsindex
  5. Traglastzahl

Über die für das jeweilige Fahrzeug zulässigen Reifendimensionen gibt der Fahrzeugschein Auskunft, andere Reifengrößen können jedoch in begrenztem Rahmen durch den TÜV eingetragen werden.

Reifengröße
Die erste Größe in der Reifenbezeichnung ist die Reifenbreite in Form einer dreistelligen Zahl, z. B. 185er, 205er, 225er. Sie gibt den Reifenquerschnitt in Millimetern an. Breite Reifen gewährleisten eine bessere Bodenhaftung und verringern den Bremsweg, treiben jedoch auch den Verbrauch in die Höhe und kosten Beschleunigungsvermögen und Maximalgeschwindigkeit.

Reifenhöhe bzw. Flankenhöhe
Die Flankenhöhe wird indirekt als Zahlenverhältnis von Reifenbreite und Flankenhöhe angegeben. In der Nomenklatur des Reifens folgt sie auf die Breite, z.B. 185/65. In diesem Fall bedeutet das, dass die Flankenhöhe 65% der Reifenbreite misst, also 120 Millimeter. Reifen, deren Flanke weniger als halb so hoch ist wie ihre Breite, bezeichnet man als Niederquerschnittsreifen. Solche Reifen mögen ansprechend aussehen, doch mit abnehmender Flankenhöhe verringern sich auch die Dämpfungseigenschaften des Reifens.

Felgengröße
Es folgt die Angabe der Felgengröße in Zoll, z. B. R15 für eine 15-zöllige Felge. Das „R“ steht im übrigen für Radialreifen, dem heute am weitesten verbreiteten Reifentyp, der bei fast allen modernen PKW Verwendung findet.

Tragfähigkeit
Daran schließt sich die Tragfähigkeitskennziffer an. Je höher die Zahl, umso höher die Tragfähigkeit. Die Zahl 91 steht für 615 kg (pro Reifen, versteht sich!), die Zahl 92 für 630 kg, 93 für 650 kg usw. Nun dürfte ersichtlich geworden sein, dass die Abstände nicht gleichmäßig sind. Die für den jeweiligen Fahrzeugtyp erforderliche Tragfähigkeit darf nicht unterschritten werden, die Montage von Reifen mit höherer Tragfähigkeit ist aber erlaubt.

Geschwindigkeitsindex
Auf die Tragfähigkeit folgt der Geschwindigkeitsindex in Form eines Buchstabens. Er gibt die zulässige Höchstgeschwindigkeit für diesen Reifen an. M steht beispielsweise für 130 km/h, Q für 160 km/h, H für 210 km/h, W für 270 km/h. Auch hier gibt es kein System, die Nomenklatur orientiert sich nur lose am Alphabet. Bei der Auswahl des Geschwindigkeitsindex sollte sich die Entscheidung am gesunden Menschenverstand orientieren. Wessen Fahrzeug ohnehin nur 180 km/h erreicht, der benötigt keine Reifen mit dem Index „W“. Bei Winter- und Allwetterreifen dürften zudem Reifen mit niedrigerem Geschwindigkeitsindex als in den Fahrzeugpapieren vorgegeben montiert werden, solange ein für den Fahrer deutlich sichtbarer Aufkleber darauf hinweist.

Laufrichtung
Moderne Reifen besitzen häufig eine Laufrichtung. Diese ist unbedingt zu beachten, wenn einzelne Reifen nachbestellt werden müssen, z.B. nach einem Reifenschaden.

DOT-Nummer
Die DOT-Nummer, eingeprägt im felgennahen Flankenbereich, gibt Auskunft über das Produktionsdatum des Reifens. Kalenderwoche der Herstellung und Herstellungsjahr bilden eine vierstellige Zahl, z.B. 3510 = 35. Woche 2010. Vor der Jahrtausendwende waren auch dreistellige DOT-Nummern gängig. Einen derartig alten Reifen sollte man heute aber nicht mehr fahren. Im Allgemeinen beginnt die Reifenqualität ab dem 5. Jahr nach Produktion nachzulassen, da sich die Weichmacher verflüchtigen. Bei Winterreifen oder Allwetterreifen ist das Alter daher kritischer als bei Sommerreifen. 10 Jahre alte Sommerreifen können bei entsprechender Profiltiefe in der Regel noch problemlos gefahren werden. 10 Jahre alte Winterreifen werden dagegen kaum noch bessere Fahreigenschaften aufweisen als ein neuer Sommerreifen.

Reifen regelmäßig erneuern

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass alle guten Reifeneigenschaften im Grunde nur bei Neuware garantiert werden können. Auch der beste und teuerste Reifen hat seine Sicherheit verloren, wenn sein Profil abgefahren ist oder sich nach 15 Jahren sämtliche Weichmacher aus dem Gummi verflüchtigt haben.